Früherziehung - Junghundeausbildung 

Welpeninteressenten sollten darauf achten, dass der Welpe nicht nur aus einer leistungsstarken Zucht stammt und eine Ahnentafel von einem vom Jagdgebrauchshundeverband (JGHV) angeschlossenem Zuchtverein (mit Sperlingshund), sondern auch artgerecht aufgezogen ist, und diesen den Vorzug geben. Besonders, wenn ein Welpe etwas älter abgegeben wird, sollte man sich vergewissern, dass sich der Züchter auch weiterhin mit ihm beschäftigt hat.

Logo des JGHV - Sperlingshund

Kommt ein solcher Welpe nun mit acht Wochen in seine neue Umgebung, ist es sehr wichtig, dass die in der Wurfkiste begonnene Förderung der Anlagen fortgesetzt wird. Zunächst gilt es den Schock zu überwinden, von seiner Mutter, den Geschwistern und der vertrauten Umgebung getrennt worden zu sein. Der kleine beim Züchter schon richtig geprägte Hund, wird hierbei keine großen Schwierigkeiten haben.                                                                              

Nun gilt es den kleinen Hund an Zwinger, Haus, Auto und die Umgebung zu gewöhnen. Auch das Alleinsein muss geübt werden, indem man den kleinen Hund zunächst nur einige Sekunden einsperrt, und die Zeit dann immer mehr verlängert. Es hat sich bewährt, den Welpen zunächst in der Wohnung zunächst in einem Ställchen zu halten; er gewöhnt sich dann schnell an einen festen Platz und, wenn man ihn ab und zu herausnimmt, wird er schnell stubenrein. Bei Autofahrten sollte man ihn von Anfang an in einer Transportbox transportieren; er gewöhnt sich schnell daran und fühlt sich auch längere Zeit darin zu Hause.

                                                                                                                 Ausflüge zum Sammeln vieler Eindrücke, legen den Grundstein für später erwünschtes Verhalten. Auch sollte man ihn mit anderen, möglichst gleichaltrigen Hunden zusammenbringen, um ihn zu sozialisieren. Wenn man bedenkt, dass seine Vorfahren, und heute noch seine wildlebenden Verwandten, wie Wolf oder Fuchs, mit einem halben Jahr völlig auf sich selbst gestellt sind und für ihren Lebensunterhalt selbst sorgen müssen, ist es erklärlich, dass auch der Welpe in dieser Zeit am lernfähigsten ist. Wissenschaftler belegen, dass die geistige Entwicklung eines sechs Monate alten Hundes mit der eines 17-jährigen Menschen vergleichbar ist.

 

Früher war man der Ansicht, dass der junge Hund ein sogenanntes „Flegeljahr“ mit unbegrenzter Freiheit durchlaufen sollte. In klassischen „Dressurbüchern“, wie z.B. Oberländer, aber auch noch in neueren Büchern, liest man, dass, abgesehen von einer gewissen Grunderziehung, die Ausbildung erst im 2. Lebensjahr beginnen sollte. Die Ausbildung erfolgte dann mit konsequenter Strenge und mit harten Methoden. Der Hund musste später korrigiert werden, um seinen Ausbildungsstand zu halten. Die dem Hund beigebrachten Dinge saßen nicht so fest und er wollte aus dem Zwang ausbrechen. Man verlangte Kadavergehorsam mit oft sehr unschönen Mitteln. In der menschlichen Gesellschaft gab es hierzu Parallelen. Heute haben wir ein anderes Verhältnis zu unseren Hunden. Außerdem sind unsere meisten Hunde nicht mehr so wesenstark, wie es ihre Vorfahren waren, und manch ein Hund würde eine solche Ausbildung nicht erfolgreich durchlaufen können.

 

Die Ausbildung erstreckt sich im Wesentlichen auf drei Fachgebiete, nämlich den Gehorsam, das Bringen und die Schweißarbeit. Wobei der Gehorsam auch für das Bringen und die Schweißarbeit wichtig ist, in der Reihenfolge der Ausbildung muss die Schweißarbeit vor dem Bringen kommen.

 

Der Gehorsam ist für jeden Hund wichtig; aber besonders wichtig für einen Jagdgebrauchshund; daher wird auf der VGP großer Wert auf einen guten Gehorsam gelegt.  Es stimmt nachdenklich, dass von 1322 Hunden, die 2010 eine VGP bestanden haben, nur 22,3% in den Gehorsamsfächern das Maximum von 68 Punkten erreicht haben. In den meisten Bundesländern gibt es heute Hundeverordnungen. Hier werden meistens Begleithundeprüfungen für den Hund und Sachkundenachweise für den Führer verlangt. Der VDH bietet dieses schon jahrelang mit gutem Erfolg an. Auf unseren Prüfungen sollten wir auf keinen Fall die hier gestellten Anforderungen unterschreiten.

 

Ist nun der kleine Hausgenosse mit seiner neuen Umgebung vertraut geworden und hat den Führer als Bezugsperson akzeptiert, gewöhnt man ihn zunächst an das Halsband. Zunächst wird er versuchen, sich durch Kratzen von ihm zu befreien. Trägt er es aber ständig, wenn er aus dem Zwinger kommt, und vor allem bei den Reviergängen, wird er es bald als selbstverständlich hinnehmen.

 

Der nächste Schritt ist die Leinenführigkeit; der Zwang an der Leine geführt zu werden. Der Hund wird sich zunächst sträuben, aber schon bald merken, dass jeder Widerstand zwecklos ist und sich seinem Schicksal fügen.

 

Rudolf Fries hat in seinem Buch über den Bayerischen Gebirgsschweißhund geschrieben: wenn ein Hund im ersten halben Jahr die Leinenführigkeit nicht richtig gelernt hat, wird er sein Leben lang nicht korrekt an der Leine gehen. Und da hat er recht! Wenn man auf der Jagd oder auf Prüfungen sieht, wie manches „Gespann“ durchs Gelände zieht, weiß man, wie es bei diesem Hund um den Gehorsam bestellt ist. Die korrekte Leinenführigkeit ist der ersten Schüssel zur Unterordnung eines jeden jungen Hundes.

 

Er soll dem Führer mit dem Kopf in Höhe des Knies des Führers mit locker durchhängender Leine folgen. Wie alle Übungen, sollen diese zunächst in vertrauter Umgebung durchgeführt werden und später öfter die Örtlichkeit gewechselt werden. Auch muss der Führer die Richtung öfter wechseln, damit der Hund lernt, sich auf den Führer einzustellen. Geht der Hund nicht korrekt, wird er mit einem Ruck an der Leine und dem Kommando „Fuß“ korrigiert und, wenn er dann richtig geht, sofort gelobt. Früher mussten die Hunde alles durch negative Erfahrungen mit der nötigen Strenge und Konsequenz lernen. Die Verhaltensforschung hat uns einen besseren Weg gezeigt, und zwar durch sogenannte positive Verstärkung. Das heißt, dass ein Hund immer, wenn er etwas richtig macht, gelobt wird und zunächst auch noch einen ganz kleinen Futterbrocken (Leckerli) erhält. Dieses Loben und Belohnen müssen aber unmittelbar erfolgen, d.h. innerhalb von drei Sekunden. Sonst weiß der Hund nicht warum das Lob geschah. Der Hund wird hierdurch auch aufmerksamer und wird den Führer immer im Auge haben. Mit dem Leckerli sollte man später sparsamer umgehen und kann es in vielen Situationen dann ganz weglassen. Im fortgeschrittenen Alter sollte man auch schon ab und zu einmal das Folgen frei bei Fuß üben.

 

Wenn der Hund sich auf eine korrekte Leinenführung eingestellt hat, muss er das Sitzen auf Kommando lernen. Man hält ihn hierfür mit der einen Hand an der kurzen Leine und drückt mit der anderen das Hinterteil sanft herunter, wobei man ständig „Sitz“ sagt. Auch hierbei muss er gelobt werden und innerhalb von 3 Sekunden ein Leckerli erhalten. Nach einigen Übungen wird er es begriffen haben und den Befehl ohne Herunterdrücken ausführen. Bei den nächsten Sitzübungen umkreisen wir den Hund mal kürzer oder weiter und lassen die  Leine fallen. Steht er auf, oder folgt er dem Führer wird er mit einem Leinenruck wieder zu der Stelle geführt und nach dem Kommando „Sitz“ wieder gelobt. Später soll sich der Hund automatisch ohne Kommando setzen, sobald der Führer stehen bleibt.

 

Zur Vorbereitung der Ausbildung im Apport, sollte man öfter bei dem jungen Hund am Fang herummanipulieren, die Gebissentwicklung kontrollieren und die Hand einmal in den Fang legen. Bei der Gebisskontrolle auf den Anlagenprüfungen sieht man oft sehr unschöne Szenen, wenn so etwas mit dem Junghund nicht geübt wurde.

 

Klappen die Sitzübungen, so wird dem Lehrling das Ablegen beigebracht. Hierzu ziehen wir dem sitzenden Hund die Vorderläufe nach vorn und drücken ihn mit dem Kommando „Platz“ hinunter. Auch hier sofort ein Lob unter ständigem Hinunterdrücken. Wenn man dieses einige Male geübt hat, hält man ein Leckerli auf den Boden und drückt ihn sanft hinunter. Bald wird das Hinunterdrücken überflüssig sein und die Belohnung erfolgt dann erst beim Kommando „Hier“. Wenn der Hund sich auf Kommando ablegen lässt, umkreist man ihn auch hierbei wieder, erst kürzer und später weiter, und versteckt sich auch zunächst einmal eine kurze Zeit. Diese Übungen sollten auch ständig wiederholt werden und die Zeit und Entfernung und das Verstecken immer länger werden. Man kann dann auch die Leine vom Hund lösen. Dieses längere freie Ablegen kann man bei allen Wildtieren (z.B. Reh, Hase, Fuchs) beobachten und es ist auch unseren Hunden angewölft. Wenn der Hund abgeholt wird, muss der Führer erst eine kurze Zeit vor dem Hund stehen bleiben, ehe das Kommando zum Aufstehen kommt. Es sollte auch später im Auto geübt werden, wobei der Hund zunächst mit offener Kofferraumklappe abgelegt wird.

 

Die Reizangel, die der Welpe schon beim Züchter kennen gelernt hat, ist ein wichtiges Instrument für die Ausbildung des Junghundes. Wir fördern durch tägliche Bewegung weiterhin seine Freude daran. Man kann mit ihr viel machen, wenn in diesem Lebensabschnitt öfter mit ihr gearbeitet wird. Er wird sich im fortgeschrittenen Alter immer noch für sie interessieren. Man fördert den Hetztrieb des Hundes, die Vorstehanlage wird gefestigt und der Führer kann auf bequeme Weise seinen Hund bewegen. Auch die Gewöhnung an das Wasser und das Erlernen des korrekten Schwimmens ist mit der Reizangel ganz einfach. Auch der Gehorsam, dass „Platz“ auf Trillerpfiff kann bei fortgeschrittenem Ausbildungsstand gefestigt werden. Wichtig ist auch hier, die Umgebung, die Situation und den befestigten Gegenstand öfter zu wechseln, damit der Hund nicht einseitig fixiert wird.

 

Parallel zu den beschriebenen Übungen fangen wir im Alter von 8 – 10 Wochen mit der Futterschleppe an, als Vorübung für die Schweißarbeit. Zunächst auf kürzere Entfernung, dann immer länger und wir verlängern die Stehzeit. Allmählich dann der geschleppte Fleisch- oder Pansenbrocken durch frische Wildlunge ersetzt und zusätzlich Rinderblut getropft und später ganz durch Rinderblut ersetzt. Auch hier wird die Dosis später verringert und die Stehzeit verlängert. So eingearbeitet, ist der Junghund im Alter von etwa vier Monaten in der Lage, eine VGP-Übernachtfährte zu arbeiten und ist für sein ganzes Leben darauf eingestimmt. Der Jagdhund muss ganz früh lernen, seine Nase herunterzunehmen. Dieses hat keinerlei Einfluss auf die Feldsuche mit hoher Nase. Ein Führer hat dann keine Probleme, seinen Hund später auf einer Übernachtfährte zu führen oder mit ihm Nachsuchen mit längerer Stehzeit durchzuführen. Vor allem ist er dann schon gehorsamer und wird leichter Verleitungen durch Wild, deren Reiz er ja erst später kennen lernt, abgehalten zu werden. Mit Futterbrocken in die Fährte zu legen muss man im Sommer vorsichtig sein, da sich hierauf leicht Wespen setzen, die sehr gefährlich beim Aufnehmen dieser Brocken werden können. Dieses kann den Hunden die Freude an der Fährtenarbeit verleiden und ist auch überflüssig, wenn der Hund auf Lungenschleppe und Rinderblut frühzeitig eingearbeitet ist. Es ist immer wieder faszinierend, wie diese kleinen Kerle mit Passion zielstrebend mit tiefer Nase diese Fährten arbeiten.

 

Der bei Weitem größte Teil der Verantwortliche in den einzelnen Bundesländern weiß, dass ein Jagdhund nur brauchbar für eine Nachsuche ist, wenn er imstande ist, in der Praxis eine Übernachtfährte auszuarbeiten. In 10 von 14 Bundesländern wird ausschließlich die Übernachtfährte als Nachweis der Brauchbarkeit für eine Nachsuche verlangt und weit über tausend Jagdhunde bestehen jährlich dieses Prüfungsfach auf den Brauchbarkeitsprüfungen. Es verlangt nur etwas mehr Vorbereitung, ist aber keine „schwarze Kunst“. Man muss nur schon im Welpenalter mit der Ausbildung beginnen. Die Ausbildung darf sich nicht nur auf die Vorbereitung auf Prüfungen erstrecken, sondern für die jagdliche Verwendung. Vielen kommt es aber nicht darauf an, einen brauchbaren VGP-Hund zu haben, sondern leicht einen I. Preis zu erringen oder überhaupt eine VGP zu bestehen. Die Prüfungsbedingungen zu erleichtern wäre der falsche Weg.  Ein Hund, der eine VPS mit Fuchs bestanden hat, ist dann „brauchbarer“, als ein VGP-Hund mit Tagfährte.

 

Was man dem Junghund nicht mit der nötigen Konsequenz im frühen Alter beibringen kann, ist das Apportieren. Hiermit muss gewartet werden, bis der Hund durchgezahnt ist. Das Verlorenbringen ist eine zu ernste Angelegenheit, und man sollte es dem Welpen nicht spielend lehren. Man sollte daher darauf achten, dass der Junghund keine Gegenstände selbständig herumträgt und in Haus und Hof nichts herumliegt, das er herumtragen kann.

 

Wenn er schon durch Manipulieren am Fang (Zahnkontrolle) vorbereitet ist, wird er im Alter von ca. 6 Monaten den Apportierbock bald im Fang dulden. Auch hierbei kann ein Leckerli gute Dienste leisten, wenn man, sobald man ihm den Apportierbock abnimmt, sofort ein Leckerli gibt. Mit etwas Druck wird er dann bald den Apportierbock aus der Hand und später vom Boden aufnehmen. Ein Hund kann erst richtig apportieren, wenn der Führer mit ihm vor dem aufzunehmenden Gegenstand (Apportierbock, oder später Wild) steht und er ihn auf Kommando aufnimmt, oder auf Rucken an der Halsung dazu gezwungen werden kann. Dieses alles erfordert vom Führer viel Geduld und Selbstbeherrschung. Es wird sich über eine längere Zeit erstrecken; dafür sitzt es dann aber für ein ganzes Hundeleben. Grundsätzlich braucht man für Apportierübungen eine längere Zeit, um den Apportierbock, Dummy oder ähnliches, auf der Rückspur auf weitere Entfernungen an Land und später auch aus dem Wasser bringen zu lassen. Beim Bringen aus dem Wasser sollte man darauf achten, dass der Hund das Werfen nicht sieht und den Apportiergegenstand auf geradem Weg durch das Wasser zurückbringt. Das Bringen von Wild und Schleppen ausarbeiten soll man mit dem Hund erst viel später üben.

 

So eingearbeitet, ist bei dem 6 – 7 Monate alten Jagdhund die Grundausbildung beendet. Man sollte ihn jetzt schon ab und zu mit auf die Jagd nehmen und immer wieder Gehorsams- oder Apportierübungen mit ihm machen.

 

Im Sommer darauf, gewöhnlich nach absolvierter VJP, beginnt dann die lange Zeit, in der der Hund auf seine späteren Aufgaben und auf die anstehenden Prüfungen vorbereitet wird. Ein so aufgezogener und zur rechten Zeit geprägter und ausgebildeter Hund, der gute jagdliche Anlagen hat, wird seine Aufgaben als Helfer des Jägers bei der waidgerechten Jagdausübung erfüllen und der Führer wird viel Freude an ihm haben. Daran zu arbeiten ist das primäre Ziel von Züchtern, Führern, Verbandsrichtern und den Verantwortlichen in den Vereinen des Jagdgebrauchshundverbandes.

 

Eike Behrens

Letzte Aktualisierung: 09.07.2020

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